Villa Im Paradies

Familie Menger-Krug

Villa Im Paradies - Familie Menger-Krug

Schweine im Weinberg

Am Ende des Weinjahres, nach der Lese, sind die Reben erschöpft und der Boden beansprucht (bspw. durch trockene Sommer und Befahren mit Maschinen). Der Boden sollte jetzt aufgelockert und mit organischer Substanz versorgt werden. Dann kann die Bodenfauna die letzten schönen Herbsttage nutzen, um die Vorräte an Nährstoffen und anderen Umwandlungsprodukten der organischen Substanz (Humus) wieder aufzufüllen, bevor der Boden gefriert und eine Ruhepause einlegt. So kann dann das Wachstum der Reben im Frühjahr gut beginnen.

Das Problem ist: die Lese ist eine arbeitsintensive Zeit und fällt meist in die letzte trockene Schönwetterzeit des Herbstes. Während der Lese sind alle Arbeitskräfte und Maschinen voll ausgelastet. Nach der Lese ist der Boden meistens nass, und ein Befahren kann die Poren verdichten und somit dem Luft- und Wasserhaushalt des Bodens und der Bodenfauna schaden.

Aus dieser Problematik entstand eine Idee: tierische Helfer statt Maschinen. Wir glauben, dass „Herbstschweine“ gut in den Weinberg passen. Obwohl es zunächst unkonventionell klingt, könnte die Kombination von „Weinschweinen“ und Weinberg zum beiderseitigen Vorteil sein.

Die Schweine finden im Weinberg einen artgerechten Lebensraum. Sie können ihrer natürlichen Art folgen, sich über weite Flächen zu bewegen und im Boden nach Leckerbissen wühlen. Die Bewegung und die vielfältige, natürliche Nahrung, nicht zuletzt die übrig gebliebenen süßen Trauben, wirken sich positiv auf die Qualität des Schweinefleisches aus.

Pflanzliches Futter wird im Weinberg verteilt, um die Schweine anzuregen, die ganze Fläche zu bearbeiten. Der Weinberg profitiert von der Auflockerung des Bodens durch die Schweinerüssel. Die Schweine fressen organische Substanz am Standort (Pflanzenteile, Insekten, verteiltes pflanzliches Futter). Durch ihre Exkremente verteilen sie die „aufbereitete“ organische Substanz im Weinberg, auch tief im Boden (~20 cm). Durch die Lockerung, die verbesserte Durchlüftung und die Vermischung mit „aufbereiteter“ organischer Substanz wird die Struktur des Bodens verbessert und die Aktivität der Bodenlebewesen natürlich angeregt sowie eine Verdichtung des Bodens verhindert.

Aufgrund dieser Überlegungen haben wir uns für ein Experiment mit einer alten robusten Schweinerasse, dem Bentheimer Landschwein entschieden. Die Schweine „Pinky“ und „Rosi“ sind 9 Monate alt. Wenn Schweine ausreichend Platz und natürliche Bedingungen haben, sind sie neugierige Lebewesen, die den Boden nach Leckerbissen, wie übrig gebliebenen Trauben und Insekten, durchwühlen. Sie arbeiten selbstständig und fleißig auch bei nassem und kaltem Wetter, ohne die Gefahr der Bodenverdichtung. Ihre Rüssel sind ausgezeichnete, schonende Bodenbearbeitungswerkzeuge.

Mit diesen positiven Bedingungen können die Bodenlebewesen aktiv werden. Regenwürmer, Bodenpilze und Bodenbakterien verstoffwechseln die organische Substanz und bauen so wertvollen Dauerhumus auf. Der Humus ist ein natürliches Nährstoff-reservoir und erhält die gute Struktur des Bodens. So ist der Boden gut für das Pflanzenwachstum im Frühjahr vorbereitet und die Reben haben einen optimalen Start in die neue Wachstumsphase. Dieser gute Start für die Reben im Frühjahr sorgt vielleicht für einen entscheidenden Vorteil im nächsten Herbst: „saugute“ Weine.

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